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Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)

Maerckerweg

Warum umbenennen? Georg Maercker war ein Kolonialoffizier, der an der Unterwerfung der Swahili- Küstenbewohner*innen in der Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (1888–1890) und der antikolonialen Yìhétuán in China (1898–1901) sowie am Völkermord an den Herero und Nama (1904–1908) beteiligt war. Er war Mitbegründer des 1922 gegründeten »Deutschen Kolonialkriegerbundes« und dessen erster Präsident. Im Nationalsozialismus wurde er verehrt.

Der Maerckerweg in Steglitz-Zehlendorf

… liegt im Ortsteil Lankwitz und ist eine 140 Meter lange Straße mit drei- bis achtstöckigen Wohnhäusern. Sie verbindet die Beißstraße mit der Emmichstraße. Südlich vom Maerckerweg liegt der Campus des Instituts für Mineralogie und der International Summer and Winter University der Freien Universität Berlin. Die nächstgelegene S-Bahn-Station ist Marienfelde.

 

Benennungsjahr der Straße: 1936

 

Welche Stadt hat bereits umbenannt?

Dortmund (1946): Umbenennung in Ernst-Wiechert-Straße

Als Teil des so genannten Freikorps-Viertels, dessen Straßen nach antidemokratischen und paramilitärischen Organisationen benannt wurden, wurde die Maerckerstraße zusammen mit weiteren Straßen nach Kriegsende umbenannt. (1)

 

Wie umbenennen?

Die Initiator*innen dieses Dossiers fordern bei der Umbenennung des Maerckerwegs den Bezug zur Kolonialgeschichte beizubehalten, aber die Perspektive der Erinnerung umzukehren. Das heißt, dass Personen des Widerstandes gegen die Kolonialmächte und gegen rassistische und koloniale Strukturen geehrt werden sollten.

Zu möglichen Alternativnamen

 

 

Zur Person

Georg Ludwig Rudolf Maercker (geboren am 21.9.1865 in Baldenburg, verstorben am 31.12.1924 in Dresden)

Der Maerckerweg in Lankwitz wurde 1936 nach Georg Maercker benannt. Die Ehrung fällt in die Zeit der nationalsozialistischen Aufwertung deutscher »Kolonialkrieger«, zu deren prominentesten Vertretern der Generalmajor Maercker zählte. Er war vor dem Nationalsozialismus als rechtsextremer Freikorpsführer wegen seiner Verwicklung in den Kapp-Lüttwitz-Putsch 1920 in den vorzeitigen Ruhestand versetzt worden, nun erhielt er eine Rehabilitierung.

 

Kolonialoffizier

Georg Maercker war einer der am längsten dienenden Offiziere der kolonialen »Schutztruppe«. Bereits 1889/90 war er als junger Freiwilliger an der Unterwerfung der Swahili-Küstenbewohner_innen in der Kolonie »Deutsch-Ostafrika« (heute Tansania, Ruanda und Burundi) beteiligt. Anschließend führte Maercker das erste deutsche Truppenkontingent zur Kolonisierung »Deutsch-Südwestafrikas« (heute Namibia) an. Als Offizier beim Gouvernement Kiautschou (1898 – 1902) beteiligte er sich auch an der Niederschlagung der antikolonialen Yìhétuán (»Verbände für Gerechtigkeit und Harmonie«) in China. 

 

Kommandeur beim Völkermord

Schließlich war Maercker auch maßgeblich am Völkermord an den Herero und Nama (1904–1908) beteiligt. So hatte er nicht nur den Oberbefehl bei der Schlacht von Nubib gegen die vereinigten Herero- und Namakämpfer im September 1905 inne. Als Etappenkommandeur in Windhoek unterzeichnete er die Befehle zur Deportation von kriegsgefangenen Kindern, Frauen und Männern in die Konzentrationslager Lüderitzbucht und Swakopmund. 1907 rechtfertigte er die in »Deutsch-Südwestafrika« begangenen Verbrechen vor der »Deutschen Kolonialgesellschaft«: »Vor dem Krieg waren wir lediglich die Geduldeten im Lande. Mit unsäglichem Hochmut und starkem Dünkel sahen die Eingeborenen auf uns herab. Dem musste ein Ende gemacht werden, denn das vertrug sich weder mit unserer nationalen Würde noch mit unseren wirtschaftlichen Interessen.« (2)

 

Freikorps-General

Nach seinem Einsatz im Ersten Weltkrieg bildete er – nunmehr als Generalmajor – aus seiner Division eine der ersten Freikorps-Brigaden, das »Freiwillige Landesjägerkorps«. Der Verband diente der Reichsregierung 1918 /19 als Einsatztruppe: Maerckers Söldner schlugen linke Erhebungen und Unruhen in Mitteldeutschland nieder und sicherten die Nationalversammlung in Weimar. Noch im selben Jahr wurden sie in die Reichswehr aufgenommen und Maercker wurde zum Befehlshaber des Wehrkreises IV (Dresden) ernannt.

 

Gegner der Republik

Doch zu diesem Zeitpunkt stand er bereits der äußersten Rechten nahe, zu denen auch eine Reihe hochrangiger Kolonialoffiziere zählte. Als die Putschisten um Wolfgang Kapp und Walther von Lüttwitz 1920 zur Waffe griffen und den gewaltsamen Sturz der Regierung anstrebten, wurden sie von Maercker unterstützt. Wegen seiner Illoyalität gegenüber der Republik wurde der Generalmajor nach dem Scheitern des Putsches aus der Reichswehr entlassen. (3)

 

Kolonialrevisionist und Antisemit

1922 engagierte sich Maercker für die Gründung des revisionistischen »Deutschen Kolonialkrieger- Bundes«, der bald schon größten Vereinigung ehemaliger deutscher Kolonialsoldaten, und wurde deren erster Präsident. Ziel der Vereinigung war es, »die Deutschen davon zu überzeugen, dass [...] Kolonien eine Lebensnotwendigkeit« wären und »immer und immer wieder« zu fordern, dass Deutschland die »gestohlenen Kolonien zurückgegeben werden«. Noch im selben Jahr wirkte er an der Bildung des Dachverbands aller Kolonialvereine, der in Halle/ Saale gegründeten »Kolonialen Reichsarbeitsgemeinschaft«, mit. Außerdem war Maercker eines der prominentesten Mitglieder der paramilitärischen Vereinigung »Stahlhelm, Bund der Frontsoldaten«. Bereits 1924 setzte er dort einen »Arierparagraphen« durch, auf dessen Grundlage jüdische Mitglieder ausgeschlossen wurden. (4)

 

1. Niemeyer, Joachim: Maercker, Georg, In: Neue deutsche Biografien 15, München 1987; Maercker, Georg: Unsere Schutztruppe in Ost-Afrika, Berlin 1893.
2. Vortrag Georg Maerckers »Unsere Kriegsführung in Deutsch-Südwest-Afrika« vor der Deutschen Kolonialgesellschaft 1907, zitiert in: Unterberg, Swantje: Schlacht am Waterberg – »Aufräumen, aufhängen, niederknallen«, Der SPIEGEL, 8.8.2014. Dank an Claus Kristen und Werner Hillebrecht für die Hinweise zu Maerckers Rolle während des Genozids in Namibia.
3. Maercker sagte schon am 23.6.1919: »Ich bin als preußischer General nicht in der Lage, einer Regierung weiterhin Dienste zu leisten, die Deutschland die Schuld am Kriege zuerkennt, und die meinen ehemaligen obersten Kriegsherrn und deutschen Führer dem Feinde ausliefert!«, In: Maercker, Georg: Vom Kaiserheer zur Reichswehr, Leipzig 1922, S. 288; Zu Maerckers Rolle nach dem 1. Weltkrieg siehe auch: Schulze, Hagen: Freikorps und Republik 1918 – 1920, Boppard 1969; Guth, Ekkehart P.: Der Loyalitätskonflikt des deutschen Offizierskorps in der Revolution 1918 – 1920, Frankfurt (Main) 1983.
4. Zu Maerckers entscheidender Rolle bei der Durchsetzung des antisemitischen »Arierparagraphen« beim Stahlhelm siehe: Berghahn, Volker R.: Der Stahlhelm – Bund der Frontsoldaten 1918 – 1935, Düsseldorf 1966, S. 65ff; Wette, Wolfram: The Wehrmacht – History, Myth, Reality, Cambridge 2006, S. 63. Zu den Zielen des Deutschen Kolonialkriegerbundes: Präsidium des Deutschen Kolonialkrieger-Bundes (Hrsg.): Unvergessenes Heldentum. Das Kolonisationswerk der deutschen Schutztruppe und Marine. Ein Gedenkbuch, Berlin 1924.

Text "Zur Person": Christian Kopp, Foto: Tahir Della