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Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)

Weltkarten als Bildungsmaterial

Weltkarten als Bildungsmaterial

Weltkarten prägen unsere Sicht auf die Welt. Länder, die groß und zentral dargestellt werden, erscheinen bedeutender als kleine am äußeren Kartenrand. Karten scheinen neutral, als kleine Abbildung der Welt und doch sind sie immer von der Perspektive derjenigen geprägt, die sie erstellen.

Beim Globalen Lernen werden andere Karten verwendet. Solche, die dazu anregen, über den Zusammenhang zwischen der Darstellung der Welt und globalen Machtverhältnissen nachzudenken und zu verstehen, dass Karten stets von der Perspektive der Kartograph*innen abhängen.

Fotohinweis: Bildung trifft Entwicklung / Engagement Global gGmbH © MAPS IN MINUTESTM 2017

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Eurozentrische Sicht auf die Welt 

Auf den meisten Karten, die in Berliner Klassenzimmern hängen, liegt Europa im Zentrum der Welt. Verglichen mit anderen Kontinenten wird Europa hinsichtlich der eigentlichen Landmassen relativ groß dargestellt. Der Grund für die falsche Größendarstellung liegt daran, dass auch heute noch fast alle Weltkarten auf der sogenannten Mercator-Projektion des flämischen Gerhard Mercator aus dem Jahr 1569 beruhen. 

Fotohinweis: Jürgen Heyn, www.heliheyn.de

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Verzerrte Darstellung des Globalen Südens

Wie sehr die Mercator-Projektion die Wirklichkeit verzerrt, zeigt sich, wenn man die reale Größe der Erdteile miteinander vergleicht. Mit dem Imperialismus wurde die Überzeugung von Europa als Zentrum der Welt exportiert. Die kartografische Unterrepräsentation des Globalen Südens wirkte sich direkt auf die Wahrnehmung der Länder des Globalen Südens als unbedeutender und Europa vermeintlich unterlegen aus.

Fotohinweis: By Kai Krause [CC0], via Wikimedia Commons

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Mittelpunkt der Welt 

Gegenentwürfe zur Mercator-Projektion gab es erst im 20. Jahrhundert als die Kritik an der eurozentrischen Darstellung der Welt auf Karten zunahm. Der deutsche Kartograph Arno Peters kritisierte an der Mercator-Projektion nicht nur die Flächenverzerrung, sondern auch, dass der Äquator in der unteren Bildhälfte eingezeichnet wurde statt in der Mitte. Europa erscheint so nicht nur horizontal, sondern auch vertikal im Zentrum der Karte.

Fotohinweis: Jürgen Heyn, www.heliheyn.de

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Die alternative Weltkarte

Arno Peters stellt 1973 eine Projektion vor, die die tatsächlichen Fläche der Länder und ihre Größenverhältnisse abbilden sollte und den Kontinent Afrika ins Zentrum setzte. Die Peters-Projektion ist für Akteur*innen im Globalen Lernen ein idealer Startpunkt, um für verschiedene Perspektiven auf die Welt zu sensibilisieren. Inzwischen existieren mehr Alternativen zur Mercator-Projektion: zum Beispiel die vom japanischen Kartographen Hajime Narukawa entwickelte Authograph-Projektion. Die Diskurse um alternative Darstellungen der Welt werden längst nicht nur im Globalen Lernen geführt. 

Fotohinweis: Bildung trifft Entwicklung / Engagement Global gGmbH © MAPS IN MINUTESTM 2017