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Eine Welt Stadt Berlin ist
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
01.02.2017 17:00 - 19:00
Berlin Global Village, Am Sudhaus 2, 12053 Berlin

BER-Netzwerktreffen: Solidarität mit Geflüchteten

Podiumsdiskussion: Wie kann Solidarität funktionieren? Diskussion zur kritischen Reflexion von Unterstützungsstrukturen der Refugee-Bewegung

***english below***

Der Unwille der EU-Staaten, Geflüchtete menschenwürdig zu empfangen und aufzunehmen, die reihenweise Schließung der Grenzen und weitere Maßnahmen zur Abwehr Geflüchteter – für jeden der Millionen Geflüchteter werden die europäischen Außengrenzen zur Lebensgefahr, Flucht zu einem Martyrium unter katastrophalen Bedingungen.

Aktivist*innen versuchen Nothilfe (z.B. Seenotrettung) und humanitäre Hilfe an den europäischen Außengrenzen zu leisten oder sich mit Geflüchteten in Deutschland zu solidarisieren. Die kritische Reflexion des eigenen Handelns und der gesellschaftlichen Position der Beteiligten rückt angesichts der akuten Not in den Hintergrund. Dadurch wird die Kritik an der Solidarität und die Schlussfolgerung, dass sie bestehende Ungleichheiten festigt, anstelle zu deren Aufhebung beizutragen, immer lauter. Dieser Aktivismus wird dann ähnlich wie bei entwicklungspolitischen Freiwilligendiensten im Ausland durch das eigene Privileg wieder zurückkehren zu können zum „Holidarity und Voluntourism“ (https://reflactionistcollective.noblogs.org).

Die antirassistische Linke und entwicklungspolitische Nord-Süd-Aktivist*innen stehen vor der gleichen Frage: Wie können sie sich wirkungsvoll solidarisieren und zur Veränderung beitragen, ohne bestehende Machtverhältnisse zu reproduzieren?

Impulse von und Diskussion mit:

  • Llanquiray Painemal vom Migrantinnen-Netzwerk respect und Leiterin des Projekts „Willkommen ohne Paternalismus“ von glokal e.V.

  • Mezdek Osman, Geflüchteter und syrisch-kurdischer Aktivist in der Solidaritätsbewegung von Griechenland nach Deutschland

  • Sofia Casarrubia, Vorstandsbeisitzende von AfricAvenir, die zuletzt das entwicklungspolitische Bildungsprojekt „Afrikanische Perspektiven auf Flucht und Migration“ durchgeführt haben

  • Sebastian Jünemann von CADUS, eine Organisation, die die Seenotrettung von Geflüchteten vor Lesbos unterstützt hat

Die Diskussion ist Teil des Projekts "Softex" des Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlags, von Berlin Global Village und CADUS

Im Oktober 2012 besetzten Refugees aus ganz Deutschland den Berliner Oranienplatz, um gegen die Lebensbedingungen geflüchteter Menschen zu protestieren. Aktivist*innen unterstützten die Struktur vor Ort mit Kleidung und Lebensmittel. Der BER veröffentlichte den Luhmer Appell als Solidaritätserklärung mit den Geflüchteten und forderte ihre Anerkennung. Andere entwicklungspolitische Gruppen organisierten künstlerische Beiträge bei den täglich stattfindenden „Roses for Refugees“.

Zwei Jahre später war das Camp geräumt, durch den Syrien-Krieg verstärkte sich die Migration und mehr als eine Million Menschen flüchteten seitdem nach Deutschland. Ihren Weg nach Europa haben sie unter Lebensgefahr und bei katastrophalen Bedingungen angetreten. Unterstützer*innen haben auf dem Balkan und in Griechenland Nothilfe (z.B. Seenotrettung) und humanitäre Hilfe (Kleidung, Ärzte, Suppenküchen und vieles mehr) geleistet.

Die Kritik an der paternalistischen Unterstützung und Willkommenskultur, an dem Hilfstourismus privilegierter Europäer*innen, hat mittlerweile zu einer Reflexion darüber geführt, wie eine wirkungsvolle Solidarität geleistet werden kann, ohne bestehende Machtverhältnisse weiter zu zementieren. Die Frage nach einer Solidarität ohne Paternalismus stellt sich auch entwicklungspolitischen Akteur*innen immer wieder.

Ausgehend von dieser Frage haben wir antirassistische, entwicklungspolitische und geflüchtete Aktivist*innen eingeladen, um gemeinsam die eigene politische Praxis zu hinterfragen und Strategien der Veränderung zu diskutieren.

Mehr zum Projekt Softex

***english version***

How can solidarity work? A panel discussion on critical reflection of support structures acting in the refugee movement (as part of public BER-meeting)

The indignation of the EU-countries to welcome and to shelter refugees with dignity, the closing of the european borders and more violent measures to keep refugees outside made it a life-threatening danger for everyone out of the million(s) of refugees to leave their countries in order to cross the outer european borders. Leaving ones country to look for safety and political protection became an unpredictable risk unter appalling conditions.

Activists try to provide humanitarian aid along the european borders or to show solidarity with refugees in Germany. The critical reflection of the own actions and words as well as the social position of the activists become less important in situations of acute need and policital grievances. That´s why more people are claiming for a more critical reflection of this “solidarity work”. They come to the conclusion that this kind of “solidarity” rather consolidates racial and political differences than to abolish them. Critical voices call the privilege among volunteers and solidarity workers of being able to return to their home any time they want as “holidarity und voluntourism“ (https://reflactionistcollective.noblogs.org/.

The antiracist-left movement and developmental north-south-acivists ask themselves the same question: How does effective solidarity work and how can solidarity contribute to a political change rather than reproducing existing balances of power.

Discussion with:

  • Llanquiray Painemal of network for female migrants "respect" and head of the project „Welcoming without paternalism“ by glokal e.V.

  • Mezdek Osman, refugee and syrian-kurdish activist who has been active in the solidarity movement from Greece to Germany
  • Sofia Casarrubia of AfricAvenir who realized the educational project „African perspectives on flight and migration“ (not yet confirmed)

  • Sebastian Jünemann, activist of CADUS who was engaged in sea rescue service on greek island Lesbos/ Lesvos

It's a public event - please invite friends and family! The event is on ground floor.

http://eineweltstadt.berlin/aktionen/softex/

Telefon:
030 42851587