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Eine Welt Stadt Berlin ist
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
26.05.2017 16:00 - 18:00
Alte Pfarrkirche Pankow - Breite Str. 37, 13187 Berlin

Geflüchtete erzählen vom Bundesfreiwilligendienst

Einige der fast 40 über den ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V. im Bundesfreiwilligendienst Tätigen werden einen Einblick in ihre Arbeit und ihren Alltag hier in Berlin vermitteln. Die aus Syrien, dem Iran, Irak und Afghanistan hierher geflohenen Menschen arbeiten im Rahmen des Bundesfreiwilligendienstes in Berliner Projekten als sog. BUFDIs mit. In diesem Rahmen engagieren sie sich in Nachbarschaftszentren, Jugendfreizeitheimen, Kitas oder ökologischen und weiteren Projekten in den unterschiedlichesten Bezirken Berlins. So wird z.B. Reyhan, eine Frau aus dem Iran, von ihrer Mitarbeit bei Upsala (Familienzentrum in Pankow) erzählen.

 ICJA Freiwilligenaustausch weltweit e.V. organisiert das Projekt ‚SAWA‘ – Geflüchtete im Bundesfreiwilligendienst. SAWA stammt aus der arabischen Umgangssprache und bedeutet: Gemeinsam, zusammen. Außerdem heißt es noch „gleich“ im Sinne von gleichgestellt oder aneinander gleichen. Seit Januar 2016 führen wir unter dem Titel: „SAWA – Gemeinsam engagieren: Geflüchtete im Bundesfreiwilligendienst“ ein Projekt durch, das geflüchteten Menschen in Berlin eine Teilnahme am Bundesfreiwilligendienst ermöglicht.

 Über eine Laufzeit von 2 Jahren wollen wir in diesem Rahmen ca. 40 geflüchtete Menschen in ihrem Bundesfreiwilligendienst begleiten. Für 6 oder 12 Monate werden sie in sozialen, kulturellen oder ökologischen zivilgesellschaftlichen Projekten in Bezirken Berlins tätig sein. Dabei sollen die Teilnehmenden durch persönliche Kontakte sowie eine intensive interkulturelle Vorbereitung und Begleitung unterstützt werden. Dies hat zum Ziel, ein besseres Verständnis unserer Gesellschaft und ihrer Regeln, eine Verbesserung der deutschen Sprachkenntnisse sowie den Abbau von Vorurteilen und Barrieren zu fördern, die der gesellschaftlichen Integration im Wege stehen.

Wir betrachten unser Projekt für geflüchtete Menschen als einen konkreten Schritt praktischer Friedensarbeit im Sinne unseres Leitbilds.

Darüber hinaus lassen sich konkrete projektspezifische Gründe für die Umsetzung des Projekts formulieren:

 1. Weil wir geflüchtete Menschen empowern wollen
Wir wollen einen Beitrag dazu leisten, dass geflüchtete Menschen besser in der Lage sind, ihre eigenen Interessen und Bedürfnisse selbstverantwortlich und selbstbestimmt wahrzunehmen.

 2. Weil wir die oftmals defizitorientiere Wahrnehmung auf Geflüchtete verändern wollen
Geflüchtete werden öffentlich oft als Hilfeempfangende betrachtet bzw. dargestellt. Wir wollen aufzeigen, dass diese Wahrnehmung nicht der Realität entspricht. Geflüchtete Menschen können, sowohl sich selbst als auch anderen Menschen helfen– sofern dies zugelassen wird.

 3. Weil wir deutlich machen wollen, dass gesellschaftliche Vielfalt wertvoll ist
Durch Herstellung von intensiven Austausch und Begegnung bringen wir nicht- geflüchtete und geflüchtete Menschen in Lebens- und Arbeitskontexten (in denen beide etwas voneinander wollen) zusammen. Wir ermöglichen es ihnen, in offene Kommunikation zu gehen, sich um Verständigung und Verständnis zu bemühen und gegenseitig anzuerkennen. Das fördert die Erfahrung, dass Vielfalt bereichernd, spannend und wertvoll ist.

 4. Weil wir uns gegen Rassismus engagieren
Rassismus blockiert oft Verständigungsprozesse, insbesondere zwischen Menschen aus dem globalen Norden und Süden. Das Thema ist ein wichtiger Teil unserer Bildungsarbeit, und wir werden auch in diesem Projekt die Auseinandersetzung damit anstoßen, um möglichst viele Beteiligte dafür zu sensibilisieren.

Neben den vorgenannten Begründungen gibt es noch zwei weitere, die uns wichtig sind, jedoch weniger im Mittelpunkt des Projekts stehen:

 5. Weil wir unsere Friedensarbeit teilen wollen
Für eine ähnliche Situation entwickeln unterschiedliche Menschen unterschiedliche Herangehensweisen und Lösungsmodelle. Wir möchten unterschiedliche Lösungswege erfahrbar machen. Diese Erfahrung soll so gestaltet sein, dass sie jeweils als bereichernd und wertvoll erlebt wird. Es gibt viele Möglichkeiten einer „best practise“. Das wollen wir gerne auch in Richtung der „Herkunfts-Communities“ der Geflüchteten teilen.

 6. Weil wir Hintergründe von Flucht aufzeigen und um unsere jeweiligen Lebensbedingungen wissen wollen
Eine der zentralen Fluchtursachen liegt in der globalen Ungleichheit und in politischen und ökonomischen Entscheidungen – heute und in der Vergangenheit – hier bei uns, im Globalen Norden. Auf solche Zusammenhänge wollen wir hinweisen, um falsche Schuldzuweisungen zu identifizieren und durch diese kritische Auseinandersetzung mit Machtstrukturen zivilgesellschaftliches Engagement zu stärken – und Politik zu beeinflussen.