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Eine Welt Stadt Berlin ist
Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
FDCL Forschungs- und Dokumentationszentrum Chile-Lateinamerika e.V.
15.10.2016 11:00 - 17:00
Berlin

Imperiale Lebensweise vs. Verteidigung der Gemeingüter

Honduras ist ein Experimentierfeld für neoliberale "Entwicklungsprojekte". Das Seminar fragt nach Zusammenhängen und Hintergründen, vor allem auch nach der Mitwirkung deutscher „Entwicklungspolitik“ und der Beteiligung hiesiger und europäischer transnationaler Konzerne. Auch beleuchtet es den Widerstand kleinbäuerlichen und indigenen Gemeinden.

In der zentralamerikanischen ehemaligen „Bananenrepublik“ Honduras verdichten sich seit dem zivil-militärischen Putsch 2009 wie unter einem Brennglas extreme Regierungs- bzw. Staatskrisen und extreme, privatwirtschaftliche „Lösungsvorschläge“:
Nach dem Scheitern der sogenannten Charter Cities unter eigener Gesetzgebung in Madagaskar ist inzwischen Honduras, das Land mit einer der höchsten Mordraten der Welt, zum Experimentierfeld für dieses Modell extraterritorialer Modellstädte geworden. Sie heißen in Honduras nun „Sonderentwicklungszonen“ und gleichen trotz einiger legalistischer Verbrämungen den abgeschotteten „LEAP Zones“ Mark Klugmanns, also den „Legal economic, administrative, political jurisdictions“ von Reagans und Bushs ehemaligem Redenschreiber, der an zentralamerikanischen Privatuniversitäten unverhohlen mit dem Motto „faster growth, less conflict“ wirbt.
Die erste Zone im Süden des Landes samt Tiefseehafen ist in Planung, eine zweite soll bald im Gebiet der afrokaribischen Garifuna an der Nordküste von Honduras entstehen.

Während Tausende in ganz Honduras Woche für Woche gegen Korruption und die systematische Straflosigkeit protestieren, beherbergte das Land im August 2015 eine „Weltkonklave“ für nahezu reglementierungsfreie, internationale Bergbauinvestitionen und will in Sachen Green Economy, also der Produktion vermeintlich „sauberer“ Energie für den kontinentalen Markt, mit Hilfe von Staudämmen und Windparks ganz vorne mitmischen.

Unser Seminar fragt nach Zusammenhängen und Hintergründen, vor allem auch nach der Mitwirkung deutscher „Entwicklungspolitik“ und der Beteiligung hiesiger und europäischer transnationaler Konzerne. In einem weiteren Schritt sollen Strategien des kleinbäuerlichen und indigenen Widerstandes beleuchtet und die Wirksamkeit internationaler Vernetzung und Solidarität kritisch überprüft werden – woraus im Idealfall Ideen und Handlungsoptionen für weiteres Engagement hier vor Ort entstehen.
Die Organisator_innen des Seminars pflegen seit Jahren enge Kontakte zu sozialen Basisorganisationen in Honduras; seit 2010 entsenden wir regelmäßig Delegationen zur Recherche und zum Schutz gefährdeter Aktivist_innen dorthin; ebenso regelmäßig reisen Aktivist_innen z.B. des Rates von indigenen und Volksorganisationen COPINH oder Umweltaktivist_innen der Breiten Bewegung für Würde und Gerechtigkeit (MADJ) hierher, um über ihre Kämpfe zu berichten und Solidarität mit unseren Aktionen hier im Norden zu zeigen.

Referentinnen:

Magdalena Heuwieser: Autorin des Buches „Grüner Kolonialismus in Honduras. Land Grabbing im Namen des Klimaschutzes und die Verteidigung der Commons“ (Wien 2015); engagiert in der Bewegung für Ernährungssouveränität, Mitarbeiterin eines Netzwerkes gegen die Finanzialisierung der Natur. 
Paula Lochte: befasste sich im Rahmen ihres Studiums der Politikwissenschaft an der FU Berlin u.a. mit den ideologischen Fundamenten des Konzeptes der Modellstädte und arbeitet derzeit an einer vergleichenden Studie zum „Greengrabbing“ und der Verteidigung indigener Territorien in Honduras und Mexiko.

Organisator_innen:
Öku-Büro für Frieden und Gerechtigkeit e.V. München, Menschenrechtskette – Cadena de Derechos Humanos Honduras (CADEHO), Berlin, HondurasDelegation DeutschlandÖsterreich, BUKO

Ort: Berlin
Termin: Samstag, 15.10.2016
Anmeldung und Infos unter mail@buko.info.


Das Seminar wird finanziell gefördert durch die Rosa Luxemburg Stiftung.

http://www.buko.info/aktuelles/