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Dekolonisierung

1. Orte für koloniale Aufarbeitung einrichten

In Berlin gibt es zahlreiche zivilgesellschaftliche Initiativen, die die deutsche Kolonialgeschichte erinnern, sichtbar machen und kritisch aufarbeiten.

Das Problem: Bis heute gibt es keinen dauerhaften Lern- und Erinnerungsort zum deutschen Kolonialismus – obwohl das Deutsche Reich zu den drittgrößten Kolonialmächten zählte und Berlin eine zentrale Schaltstelle des europäischen Kolonialismus war. Die Aufarbeitung wird überwiegend von zivilgesellschaftlichen Initiativen geleistet, die meist nur kurzfristige Projektförderungen erhalten. Dabei übernehmen sie mit wenig Mitteln eine Aufgabe, die auch staatliche Verantwortung ist.

Hinzu kommt, dass Deutschland den deutschen Kolonialismus als Gesamtverbrechen bis heute nicht anerkannt hat – bislang nur den Völkermord an den Herero und Nama in Namibia. Dadurch wird die Kolonialgeschichte in Bildung, öffentlichem Diskurs und Erinnerungskultur weiterhin vernachlässigt und auf Bundesebene unzureichend finanziert.

Koloniale Gewalt und ihre Folgen – wie z.B. Rassismus – bleiben im öffentlichen Raum oft für betroffene Communities sichtbar, werden allerdings nicht kritisch eingeordnet. So zeigen Museen Raubkunst oder menschliche Überreste aus ehemals kolonisierten Gebieten, ohne zu kontextualisieren, wie sie nach Deutschland gelangten. Denkmäler oder Straßennamen ehren Kolonialverbrecher, ohne ihre Gewaltgeschichte zu kommentieren.

Berlin braucht ein verlässlicher Ort für politische Bildung, Erinnerung und gesellschaftlichen Dialog. Deshalb fordern wir einen zentralen Ort für die kritische Aufarbeitung der deutschen Kolonialgeschichte.

Das Land Berlin kann gemeinsam mit Bezirken, Wissenschaft, zivilgesellschaftlichen Initiativen und betroffenen Communities eine zivilgesellschaftlich getragene Stiftung aufbauen. Sie betreibt einen zentralen Lern- und Erinnerungsort zum Kolonialismus und entwickelt dezentrale Bildungsangebote, die koloniale Geschichte, ihre Folgen und ihre Kontinuitäten aus unterschiedlichen Perspektiven vermitteln.

So wird Dekolonisierung dauerhaft als Querschnittsthema in der öffentlichen Bildung verankert.

2. Politische Beteiligung von Menschen afrikanischer Herkunft etablieren

Mit der UN-Dekade für Menschen afrikanischer Herkunft haben sich Staaten weltweit verpflichtet, Rassismus abzubauen und die Rechte, Sichtbarkeit und politische Beteiligung von Menschen afrikanischer Herkunft zu stärken. Berlin hat dafür einen Konsultationsprozess mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Communities begonnen.

Das Problem: Bislang ist dieser Dialog nicht dauerhaft in den Strukturen der Berliner Verwaltung verankert. Menschen afrikanischer Herkunft werden häufig nur projektbezogen und zeitlich befristet an politischen Prozessen beteiligt. Zudem fehlt eine zentrale Ansprechperson auf Landesebene, die Maßnahmen koordiniert und Anliegen bündelt.

So bleiben wichtige Perspektiven aus diasporischen Communities in politischen Entscheidungen unzureichend berücksichtigt – obwohl 97% der Schwarzen Menschen in Deutschland laut Afrozensus in den vergangenen zwei Jahren rassistische Erfahrungen gemacht haben.

Wir fordern, dass Menschen afrikanischer Herkunft dauerhaft an politischen Entscheidungen beteiligt werden und Antirassismus nicht länger als zeitlich befristetes Projekt behandelt wird.

Das Land Berlin kann den Konsultationsprozess zur verlängerten UN-Dekade dauerhaft fortführen und institutionell verankern. Dazu gehören regelmäßige Dialogformate mit zivilgesellschaftlichen Organisationen und Communities der afrikanischen Diaspora, transparente Beteiligungsverfahren sowie eine zentrale Ansprechperson, die Maßnahmen ressortübergreifend koordiniert und ihre Umsetzung begleitet.

Statt einzelner Maßnahmen entstehen so verlässliche Strukturen, die Teilhabe stärken, Diskriminierung wirksamer bekämpfen und politische Verantwortung dauerhaft verankern.