Startseite / Themen / Dekolonisierung / Ein gesamtstädtisches Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit

Ein gesamtstädtisches Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit

Der Verein Decolonize Berlin e.V. sucht für die Koordinierungsstelle „Gesamtstädtisches Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit“ ab sofort

Fristverlängerung: Wir bitten um elektronische Einreichung der Bewerbungsunterlagen (Lebenslauf, Motivationsschreiben, Zeugnisse und Angabe der Verfügbarkeit in einem pdf) bis zum 23. März 2020 an:

Tahir Della, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD-Bund), Sylvia Werther, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER)
Per E-Mail an info@decolonize-berlin.de

Kick-Off am 15. Januar 2020

Am 15. Januar 2020 fand die erste Diskussionsveranstaltung zum gesamtstädtischen Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit im Rahmen eines BER-Netzwerktreffens und Bündnistreffens Decolonize Berlin statt.

Über 100 Teilnehmer*innen aus Politik, Verwaltungen und Zivilgesellschaft diskutierten zu den Themen Bildung und Wissenschaft, Kultur, Kunst, Erinnerung und Erzählung sowie Stadtgesellschaft und Gerechtigkeit. Sie haben erste Ideen für das Konzept gesammelt.

Dokumentation als pdf

Im August 2019 hat das Land Berlin die Entwicklung eines gesamtstädtischen Aufarbeitungs- und Erinnerungskonzepts zur Geschichte und zu den Folgen des Kolonialismus des Landes Berlins beschlossen DS 18/1788. Von der Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie, Betriebe werden jährlich 250.000 Euro für eine Koordinierungsstelle bei Decolonize Berlin zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln wird die Koordinierungsstelle die Partizipation aller beteiligten Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und städtischen Institutionen rund um die Erarbeitung eines solchen Konzeptes und seiner Maßnahmen organisieren. Die Städtepartnerschaft mit der namibischen Hauptstadt Windhoek muss mit Leben gefüllt werden. Ein Aufarbeitungskonzept muss alle relevanten Politikfelder (Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Umwelt, Anti-Distriminierung) in den Blick nehmen.

Save the Date: 15. und 16. September 2020

Am 15. und 16. September 2020 findet eine öffentliche Zukunftskonferenz statt, bei der konkrete Maßnahmen für das gesamtstädtische Konzept erarbeitet werden.

Wer ist Decolonize Berlin?

Der Verein Decolonize Berlin geht aus einem Netzwerk zivilgesellschaftlicher Akteure hervor, das sich seit Jahren für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart von Kolonialismus und Rassismus, für die Anerkennung und Wiedergutmachung von kolonialrassistischem Unrecht und für eine gesamtgesellschaftliche Dekolonisierung Berlins einsetzt. Das Bündnis besteht zurzeit aus AfricAvenir International, AFROTAK TV cyberNomads, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag – BER, Berlin Postkolonial, Each One Teach One, FuturAfrik, glokal sowie der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und stützt sich auf die ehrenamtliche Arbeit eines Netzwerks von ca. 100 Einzelpersonen .

Erste Prozesse und Projekte in Berlin

Allmählich findet es auch Berücksichtigung in Medien, Politik und Gesellschaft. Es beginnen Projekte und Prozesse, die städtische und bezirkliche Institutionen und verschiedene Berliner Verwaltungen berühren. Dazu gehören unter anderem:

  • Prozesse der Straßenumbenennungen und der Dekolonisierung von Gedenkorten in Berliner Bezirken: Charlottenburg-Wilmersdorf (Wissmannstraße), Mitte (Nachtigalplatz, Lüderitzstraße, M*Straße, Petersallee), Neukölln (Wissmannstraße, Woermannkehre), Steglitz-Zehlendorf (Maerckerweg und Abbau der Skulptur N*in in der Leuchtenburgstraße)
  • das Modellprojekt „Postkoloniales Erinnern in der Stadt“, getragen von einem Verbund aus den drei Nichtregierungsorganisationen Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e.V., Each One Teach One (EOTO) e.V. und Berlin Postkolonial e.V. sowie dem Stadtmuseum Berlin und unterstützt vom Landesnetzwerk Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER) e.V. Das Modellprojekt wird finanziert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Kulturstiftung des Bundes (KSB). Die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland e.V. (ISD-Bund) sucht zum nächstmöglichen Zeitpunkt eine Projektkoordination (m, w, d) für das Projekt.
  • ein „Fonds für Dekolonisierungsprojekte an Schulen im Rahmen der Demokratiebildung“ mit jährlich 100.000 EUR finanziert von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, bei dem Berliner NRO ab 2020 Mittel für dekoloniale Projekte an Schulen beantragen können.
  • ein durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung durchgeführter und vom Team Diversifying Matters/Generation Adrefa koordinierter Konsultationsprozess zur Umsetzung der UN Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft. Empfehlungen zu diesem Konsultationsprozess liegen nur vor.

Die Auseinandersetzung mit dem deutschen kolonialen Projekt, seiner Beteiligung und den bis heute spürenden Wirkungen  sind Querschnittsthemen, die nicht nur Museen und Sammlungen, sondern alle gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Klimawandel, ungerechte Wirtschaftsbeziehungen, Flucht und Migration müssen auch in dem Kontext Deutschlands und Europas kolonialer Vergangenheit besprochen werden.

Das gesamtstädtische Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit wird eine Bestandsaufnahme von bisher Erreichtem leisten, aber auch Leerstellen kenntlich machen und insbesondere Maßnahmen zur Aufarbeitung aufzeigen, die das Land Berlin beschließen und umsetzen muss.

X
X