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Ein gesamtstädtisches Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit

Koordinierungsstelle bei Decolonize Berlin e.V.

Im August 2019 hat das Berliner Abgeordnetenhaus die Entwicklung eines gesamtstädtischen Aufarbeitungs- und Erinnerungskonzepts zur Geschichte und zu den Folgen des Kolonialismus des Landes Berlins beschlossen (DS 18/1788). Das Land Berlin finanziert aus diesem Grund eine Koordinierungsstelle „Für ein gesamtstädtisches Aufarbeitungskonzept Berlins kolonialer Vergangenheit“, die bei dem Verein Decolonize Berlin e.V. angesiedelt ist.

Die Koordinierungsstelle organisiert bis Ende 2021 die Partizipation aller beteiligten Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und städtischen Institutionen rund um die Erarbeitung eines solchen Konzeptes und seiner Maßnahmen. Ein Aufarbeitungskonzept muss alle relevanten Politikfelder (Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Umwelt, Anti-Distriminierung) in den Blick nehmen. Zum Beispiel muss auch die Städtepartnerschaft mit der namibischen Hauptstadt Windhoek mit Leben gefüllt werden.

Seit Mai 2020 wird die Koordinierungsstelle bei Decolonize Berlin e.V durch Anab Awale, Merel Fuchs und Adel Oworu besetzt.

Kick-Off am 15. Januar 2020

Am 15. Januar 2020 fand die erste Diskussionsveranstaltung zum gesamtstädtischen Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit im Rahmen eines BER-Netzwerktreffens und Bündnistreffens Decolonize Berlin statt.

Über 100 Teilnehmer*innen aus Politik, Verwaltungen und Zivilgesellschaft diskutierten zu den Themen Bildung und Wissenschaft, Kultur, Kunst, Erinnerung und Erzählung sowie Stadtgesellschaft und Gerechtigkeit. Sie haben erste Ideen für das Konzept gesammelt.

Dokumentation als pdf

Wer ist Decolonize Berlin?

Der Verein Decolonize Berlin geht aus einem Netzwerk zivilgesellschaftlicher Akteure hervor, das sich seit Jahren für die kritische Auseinandersetzung mit der Geschichte und Gegenwart von Kolonialismus und Rassismus, für die Anerkennung und Wiedergutmachung von kolonialrassistischem Unrecht und für eine gesamtgesellschaftliche Dekolonisierung Berlins einsetzt. Das Bündnis besteht zurzeit aus AfricAvenir International, AFROTAK TV cyberNomads, Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag – BER, Berlin Postkolonial, Each One Teach One, FuturAfrik, glokal, Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD Bund), NARUD und dem Tanzania-network und stützt sich auf die ehrenamtliche Arbeit eines Netzwerks von ca. 100 Einzelpersonen .

Dekoloniale Prozesse und Projekte in Berliner Institutionen

Allmählich findet die koloniale Aufarbeitung auch Berücksichtigung in Medien, Politik und Gesellschaft. Es beginnen Projekte und Prozesse, die städtische und bezirkliche Institutionen und verschiedene Berliner Verwaltungen berühren. Dazu gehören unter anderem:

  • Prozesse der Straßenumbenennungen und der Dekolonisierung von Gedenkorten in Berliner Bezirken: Charlottenburg-Wilmersdorf (Wissmannstraße), Mitte (Nachtigalplatz, Lüderitzstraße, M*Straße, Petersallee), Neukölln (Wissmannstraße, Woermannkehre), Steglitz-Zehlendorf (Maerckerweg und Abbau der Skulptur N*in in der Leuchtenburgstraße)
  • das Modellprojekt „Postkoloniales Erinnern in der Stadt“, getragen von einem Verbund aus den drei Nichtregierungsorganisationen Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) e.V., Each One Teach One (EOTO) e.V. und Berlin Postkolonial e.V. sowie dem Stadtmuseum Berlin und unterstützt vom Landesnetzwerk Berliner Entwicklungspolitischer Ratschlag (BER) e.V. Das Modellprojekt wird finanziert durch die Senatsverwaltung für Kultur und Europa und die Kulturstiftung des Bundes (KSB).
  • ein Förderprogramm „Bildungsarbeit zu Kolonialismus und Verantwortung in Berliner Schulen“ (BIKO) mit jährlich 100.000 EUR finanziert von der Senatsverwaltung für Bildung, Jugend und Familie, bei dem Berliner NRO ab 2020 Mittel für dekoloniale Projekte an Schulen beantragen können.
  • ein durch die Senatsverwaltung für Justiz, Verbraucherschutz und Antidiskriminierung durchgeführter und vom Team Diversifying Matters/Generation Adrefa koordinierter Konsultationsprozess zur Umsetzung der UN Dekade für Menschen Afrikanischer Herkunft. Empfehlungen zu diesem Konsultationsprozess liegen nur vor.

Die Auseinandersetzung mit dem deutschen kolonialen Projekt, seiner Beteiligung und den bis heute spürenden Wirkungen  sind Querschnittsthemen, die nicht nur Museen und Sammlungen, sondern alle gesellschaftlichen Bereiche betreffen. Klimawandel, ungerechte Wirtschaftsbeziehungen, Flucht und Migration müssen auch in dem Kontext Deutschlands und Europas kolonialer Vergangenheit besprochen werden.

Das gesamtstädtische Konzept zu Berlins kolonialer Vergangenheit wird eine Bestandsaufnahme von bisher Erreichtem leisten, aber auch Leerstellen kenntlich machen und insbesondere Maßnahmen zur Aufarbeitung aufzeigen, die das Land Berlin beschließen und umsetzen muss.