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Was wir fordern

Wir fordern, dass sich das Land Berlin zu seiner Rolle als Kolonialmetropole bekennt und dafür Verantwortung übernimmt.

Bisher ist die deutsche Kolonialgeschichte zu wenig bekannt und wenn, dann wird sie glorifiziert, ihre Verbrechen negiert. In Berlin finden sich noch viele koloniale Spuren, ob auf Straßenschildern, Denkmälern oder in ehemaligen Gebäuden, die eine bedeutende Rolle in der Kolonialzeit spielten. Wer vom Kolonialismus nichts weiß, kann die Ursachen von Ungerechtigkeit und Rassismus in Berlin und der Welt nicht verstehen. Denn Kolonialismus führte zu Völkermorden und ökonomischer Ausbeutung, er legte die Grundlagen für die Aufteilung der Welt in den reichen Globalen Norden und den armen Globalen Süden. Für eine dekoloniale Landesentwicklungspolitik in Berlin ist die kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Geschichte Berlins eine grundlegende Voraussetzung.

Wir fordern eine Koordinierungsstelle in zivilgesellschaftlicher Trägerschaft bis 2025.

Im August 2019 hat das Land Berlin die Entwicklung eines gesamtstädtischen Aufarbeitungs- und Erinnerungskonzepts zur Geschichte und zu den Folgen des Kolonialismus des Landes Berlins beschlossen DS 18/1788. Von der Berliner Landesstelle für Entwicklungszusammenarbeit in der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Energie, Betriebe werden jährlich 250.000 Euro für eine Koordinierungsstelle bei Decolonize Berlin zur Verfügung gestellt. Mit diesen Mitteln wird die Koordinierungsstelle die Partizipation aller beteiligten Akteur*innen aus Politik, Verwaltung, Zivilgesellschaft und städtischen Institutionen rund um die Erarbeitung eines solchen Konzeptes und seiner Maßnahmen organisieren. Die Städtepartnerschaft mit der namibischen Hauptstadt Windhoek muss mit Leben gefüllt werden. Ein Aufarbeitungskonzept muss alle relevanten Politikfelder (Kultur, Bildung, Wissenschaft, Wirtschaft, Umwelt, Anti-Distriminierung) in den Blick nehmen.

Berliner Straßen, die nach Kolonialverbrechern benannt sind, und die „M*-Straße“ müssen bis 2021 umbenannt werden.

Mit Straßennamen werden Menschen geehrt. Will Berlin wirklich Menschen ehren, die verantwortlich für den Tod und die Ausbeutung tausender Menschen waren? Der Berliner Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat das geändert: 2010 wurde das Gröbenufer in May-Ayim-Ufer umbenannt. Mit der Umbenennung wurde in Deutschland erstmals eine Perspektivumkehr vollzogen: Statt eines Kolonialakteurs wird einer Aktivistin gegen Kolonialismus und Rassismus gedacht. Der BER hat zusammen mit der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und Berlin Postkolonial das Dossier „Stadt neu lesen“ über koloniale und rassistische Straßennamen herausgegeben. Zehn Berliner Straßen müssen umbenannt und dafür Personen des antikolonialen Widerstandes geehrt werden. Außerdem sollen 24 koloniale Straßennamen im öffentlichen Raum kritisch kommentiert werden. Ein Teil des Dossiers ist auch online zugänglich.

Wir fordern die Schaffung eines Mahnmals für die Opfer von Kolonialismus und Sklaverei in Berlin.

Mehr als 30 Millionen Afrikaner*innen wurden Opfer von Versklavung und kolonialer Verbrechen gegen die Menschlichkeit. Bis zu 400.000 afrikanische Menschen haben die deutschen Truppen in Namibia (Herero-Aufstand 1904) und in Tansania (Maji-Maji-Krieg 1905-1907) ermordet. Hunderttausende Menschen afrikanischer Herkunft sind auf Seiten der Alliierten für die Befreiung Deutschlands vom Naziregime gefallen. Schwarze Deutsche wurden von den Nazis zwangssterilisiert oder in Konzentrationslagern ermordet. Trotz der Aufforderung der UN „als Mittel zur Aussöhnung und Heilung […] den Opfern […] ein ehrendes Andenken zu bewahren“ (UN-Erklärung von Durban 2001) gibt es in Berlin keine Gedenkstätte für die afrikanischen Opfer von Versklavung, Kolonisierung und Naziverbrechen.

Wir fordern, dass in einem kolonialen Kontext angeeignete menschliche Gebeine sowie Kultur- und Naturschätze der Berliner Museen den Herkunftsgesellschaften zur Restitution angeboten werden.

Wir fordern die Offenlegung der Aneignungsumstände von außereuropäischen Kulturschätzen und menschlichen Gebeinen in den Berliner staatlichen Museen und den Dialog mit den Herkunftsgesellschaften über deren Rückgabe. In vielen Berliner Museen werden Objekte aus der Kolonialzeit ausgestellt. Für die Öffentlichkeit nicht zugänglich lagern zusätzlich ca. 500.000 Objekte und knapp 10.000 menschliche Gebeine aus dem Globalen Süden in den Depots der Staatlichen Museen zu Berlin und in der Charité. Informationen über die Umstände des Erwerbs dieser Objekte, ob sie zum Beispiel in Zusammenhang mit kolonialen Eroberungen nach Berlin gekommen sind und an die Herkunftsländer zurückgegeben werden müssen, liegen zum Teil nicht vor. Und das, obwohl die Museen den ICOM-Code of Ethics (Ethischen Richtlinien für Museen) unterzeichnet haben, worin dies als Aufforderung niedergelegt ist. Dort, wo der Umstand des Erwerbs bekannt ist, sind die Objekte unzureichend mit Kommentaren versehen.

Wir fordern die kritische Auseinandersetzung mit dem Humboldt-Forum im Berliner Schloss.

Im Humboldt-Forum werden die Sammlungen des Ethnologischen Museums und des Museums für Asiatische Kunst präsentiert. Der weitaus größte Teil der über 500.000 wertvollen Exponate aus aller Welt kam im Zusammenhang mit kolonialen Eroberungen nach Berlin. Diese sollen in der wiedererrichteten Residenz der brandenburgisch-preußischen Hohenzollern gezeigt werden, die auch für die Versklavung von Menschen aus Afrika verantwortlich waren. Die alten Objekte aus aller Welt werden im Konzept des Humboldt-Forums als das vermeintlich „Fremde“ und „Andere“ inszeniert und den umfangreichen Sammlungen europäischer Kunst auf der Berliner Museumsinsel zur Seite gestellt. Europa wird dabei als überlegene Norm konstruiert. Diese Form lehnen wir ab. Die Diskussion über das Konzept und die ausgestellten Objekte muss öffentlich und die Konzeptionen unter Beteiligung von Fachexpert*innen aus dem Globalen Süden und der migrantischen Communities in Berlin erfolgen.

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