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Unsere Vision vom Globalen Lernen

Um 7 Uhr morgens klingelt der Wecker von Kaley. Mit Federtasche und ihrem Notepad erreicht sie pünktlich zum Schulbeginn um 9 Uhr ihre Gemeinschaftsschule. Gemeinsam mit ihrem Lehrer entscheiden sie und die anderen 15 Schüler*innen ihrer Klasse, welche Themen sie heute bearbeiten wollen.

Mit ihren Freundinnen geht Kaley in die Lernwerkstatt „Bauen“. Hier haben sich Schüler*innen unterschiedlicher Klassenstufen zusammen gefunden, um unter Anleitung Spielgeräte für den Schulhof und eine kleine Hütte herzustellen. Nachdem sie in der letzten Woche Berechnungen über die Materialdichte und Belastbarkeit durchgeführt haben, lernen sie nun verschiedene Holzarten, die Erzeuger und den Handel mit Holz kennen. Warum gibt es Produkte, die woanders hergestellt, aber in Berlin verkauft werden? Welche Transportwege legen die Produkte zurück, die wir täglich nutzen? Seltenes Tropenholz, das unter besonderen Schutz steht, kommt für Kaley überhaupt nicht in Frage.

Nach der Werkstatt trifft sich zu ihrem Lieblingsessen in der Schulmensa: Kartoffeln mit Quark… das Gemüse kommt aus dem Nachbarschaftsgarten um die Ecke. Am Nachmittag liest sie auf ihrem Notepad im Einzelarbeitsraum Kurzgeschichten einer brasilianischen Autorin. Später bereitet sie mit ihrer Mentorin ihre Präsentation für den nächsten Tag vor. Dass dieser Schulalltag durch Globales Lernen geprägt ist, seitdem das Thema „Nachhaltige Entwicklung/ Lernen in Globalen Zusammenhängen“ in allen Schulen umgesetzt wird, weiß Kaley, sie möchte auch nie wieder anders lernen.

In Berlin ist Globales Lernen weit über das formale Bildungssystem hinaus verankert. Vorurteilsbewusste Ansätze sind Bestandteil der Konzepte aller Bildungseinrichtungen. Menschenrechte, globale Gerechtigkeit, die Überwindung ökonomischer Ungleichheit und ökologische Nachhaltigkeit sind fester Bestandteil des Lernprogramms. Alle Berliner Schüler*innen erhalten kostenlos ihre Lehrmittel, sie haben unabhängig von ihrer Herkunft die nötige Unterstützung, um einen guten Schulabschluss zu machen. Süd-Nord-Austauschprogramme zwischen Schulen und Jugendinitiativen finden regelmäßig statt. Nachhaltigkeit prägt die Stadt: Bildungseinrichtungen beziehen ihre Energie aus eigenen Solarzellen, sind plastikarme Orte und arbeiten energie- und papiersparend.

In unserer Eine Welt Stadt Berlin sind Schulen Orte des gesellschaftlichen Wandels geworden, sind Partizipation, Inklusion und Perspektivenvielfalt das Wesen des Lernens. Diese Bildungsarbeit ist die Grundlage, um den globalen Herausforderungen zu begegnen und Ungerechtigkeit zu bekämpfen.

Aber leider leben wir noch nicht in der Eine Welt Stadt Berlin.

Das fachübergreifende Thema „Nachhaltige Entwicklung/ Lernen in Globalen Zusammenhängen“ ist noch nicht in allen schulinternen Curricula integriert und wird an vielen Schulen nur punktuell umgesetzt. Berliner Schülerinnen haben einen ungleichen Zugang zu Lehrmitteln und schulischen und außerschulischen Förderstrukturen. Der Leistungsdruck an den Schulen ist hoch. Die Ausstattung und der bauliche Zustand der Berliner Schulen sind mangelhaft. Schulen fehlt häufig das Geld für eine langfristige und kontinuierliche Zusammenarbeit mit außerschulischen Partnern. Insgesamt gibt es zu wenige Lehrer*innen, davon haben nur wenige eine Migrationsgeschichte. Lehrer*innen werden in Studium und Fortbildungen nicht ausreichend auf die Arbeit mit heterogenen Zielgruppen vorbereitet. Bildungsmaterialien enthalten Stereotypen und reproduzieren Rassismen.

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